Werkstoffwissen · Oetzbach Edelstahl GmbH · Stand: 12. Oktober 2026

Härten von Stahl: Verfahren, Ablauf und Werkstoffe

Härten ist eine Wärmebehandlung, mit der sich bei geeigneten Stählen die Härte und Festigkeit erhöhen lassen. Beim martensitischen Härten wird der Stahl auf eine werkstoffabhängige Temperatur erwärmt und anschließend ausreichend schnell abgeschreckt. Dabei entsteht ein hartes Gefüge. Durch das anschließende Anlassen werden die Eigenschaften auf den Einsatz des Bauteils abgestimmt.

Entscheidend sind der Werkstoff, die Bauteilgeometrie und die gewünschte Kombination aus Härte, Verschleißbeständigkeit und Zähigkeit. Nicht jeder Stahl lässt sich auf dieselbe Weise härten.

Wie läuft das Härten von Stahl ab?

1. Erwärmen und Austenitisieren

Der Stahl wird kontrolliert auf seine Austenitisierungstemperatur erwärmt und dort gehalten. Das Gefüge wandelt sich in Austenit um; abhängig vom Werkstoff lösen sich Kohlenstoff und Legierungsbestandteile teilweise in dieser Phase. Temperatur und Haltezeit werden anhand des Werkstoffs und des Bauteilquerschnitts festgelegt. Zu hohe Temperaturen oder zu lange Haltezeiten können die späteren Eigenschaften verschlechtern.

2. Abschrecken

Das Bauteil wird mit einer für den Werkstoff ausreichenden Geschwindigkeit abgekühlt. Dadurch kann sich das harte Martensitgefüge bilden. Als Abschreckmedien kommen beispielsweise Wasser, Öl oder Gas infrage. Die Auswahl beeinflusst die erreichbaren Eigenschaften sowie das Risiko von Verzug und Rissen. Beim Vakuumhärten setzen wir Hochdruckgas ein.

3. Anschließendes Anlassen

Nach dem Abschrecken ist der Stahl häufig hart, aber zugleich spröde und von inneren Spannungen geprägt. Beim Anlassen wird er erneut auf eine Temperatur unterhalb des Bereichs der Austenitbildung erwärmt. So werden Spannungen reduziert und Härte und Zähigkeit auf die Anwendung abgestimmt. Temperatur, Dauer und Anzahl der Anlasszyklen hängen vom Werkstoff und der Zielhärte ab. Bei bestimmten Werkzeugstählen kann dabei auch eine Sekundärhärtung auftreten.

Welche Härteverfahren gibt es?

Durchhärten

Beim Durchhärten werden die Eigenschaften über den Bauteilquerschnitt eingestellt. Ob die gewünschte Härte bis in den Kern erreicht wird, hängt von der Härtbarkeit des Werkstoffs, den Abmessungen und der Abschreckung ab. Eine hohe Oberflächenhärte allein belegt keine gleichmäßige Kernhärte.

Vakuumhärten

Vakuumhärten beschreibt die Prozessführung im Vakuumofen. Es eignet sich für entsprechend härtbare Werkstoffe und wird unter anderem bei Werkzeugstählen eingesetzt. Die Erwärmung unter Vakuum schützt die Oberfläche vor Oxidation; die anschließende Gasabschreckung wird auf Werkstoff und Geometrie abgestimmt. Verzug lässt sich begrenzen, aber nicht grundsätzlich ausschließen. Mehr zum Vakuumhärten bei Oetzbach.

Einsatzhärten und Vakuumaufkohlen

Beim Einsatzhärten wird zunächst die Randschicht mit Kohlenstoff angereichert. Anschließendes Härten und Anlassen erzeugen eine harte Randschicht bei einem vergleichsweise zähen Kern. Vakuumaufkohlen, auch LPC genannt, ist eine Variante des Aufkohlens unter niedrigem Druck. Mehr zum Vakuumaufkohlen.

Randschichthärten und Nitrieren

Beim Induktions- oder Flammhärten werden oberflächennahe Bereiche gezielt erwärmt und abgeschreckt. Nitrieren erhöht die Oberflächenhärte dagegen durch Stickstoffdiffusion. Es ist ein anderes Verfahren als martensitisches Abschreckhärten. Mehr zu Plasma- und Gasnitrieren.

Was ist der Unterschied zwischen Härten und Vergüten?

Vergüten kombiniert Härten mit anschließendem Anlassen, um insbesondere ein geeignetes Verhältnis von Festigkeit und Zähigkeit zu erreichen. Die angestrebte Eigenschaftskombination unterscheidet sich damit von einer Behandlung, bei der vor allem eine hohe Werkzeughärte im Vordergrund steht. Auch gehärtete Werkzeuge werden anschließend werkstoffgerecht angelassen.

Welche Stähle lassen sich härten?

Geeignet sind beispielsweise viele Werkzeugstähle, Vergütungsstähle und martensitische rostfreie Stähle. Bei Werkzeugstahl 1.2379 werden Wärmebehandlung und Anlasszyklen auf die gewünschte Verschleißbeständigkeit und Arbeitshärte abgestimmt. Werkstoffdatenblätter liefern dafür die Grundlage; die konkrete Behandlung berücksichtigt zusätzlich das Bauteil.

Gewöhnliche austenitische Edelstähle wie 1.4301 und 1.4404 lassen sich durch klassisches Abschreckhärten nicht härten. Lösungsglühen ist bei diesen Werkstoffen keine Härtung. Ausscheidungshärtende Edelstähle wie 1.4542 bilden eine andere Werkstoffgruppe und benötigen eine dafür geeignete Wärmebehandlung. Werkstoff- und Härteübersicht ansehen.

Warum gibt es keine allgemeingültige Härtetemperatur?

Kohlenstoffgehalt, Legierung, Ausgangszustand und Bauteilabmessungen beeinflussen den Prozess. Deshalb sind pauschale Temperaturangaben und Härteversprechen ohne Werkstoffbezug wenig hilfreich. Auch die spätere Einsatztemperatur, eine geplante Beschichtung oder das Erodieren nach der Wärmebehandlung können die Auswahl der Behandlung beeinflussen.

Stahl härten lassen bei Oetzbach in Velbert

Oetzbach Edelstahl verbindet Werkzeugstahl, Bearbeitung und Wärmebehandlung in der eigenen Härterei in Velbert. Für die Auswahl des Verfahrens helfen uns Werkstoffnummer, Zeichnung oder Abmessungen, Stückzahl, gewünschte Härte und der spätere Einsatz. Teilen Sie uns auch mit, ob nach dem Härten noch erodiert oder beschichtet werden soll.

Sie kennen das passende Verfahren noch nicht? Beschreiben Sie Ihr Bauteil und seine Aufgabe. Wir klären mit Ihnen die geeignete Wärmebehandlung. Wärmebehandlung anfragen · Unsere Härterei · Häufige Fragen

Weiterführende Werkstoffinformationen

BÖHLER K110: Werkzeugstahl 1.2379 · IMOA / worldstainless: Verarbeitung austenitischer Edelstähle